Frag 10 Leute, und du bekommst 15 Meinungen. Ich glaube, ich habe noch bei keinem Thema so unterschiedliche Antworten bekommen. Und ich muss beruflich zu vielen verschiedenen Themen recherchieren. Aber ich bin hartnäckig und frage weiter.
Es ist ja nicht nur so, dass Laien ganz verschiedenen Auffassungen haben. Das wundert mich nicht so sehr. Aber auch Experten liegen sehr, sehr weit auseinander.
Zuerst mal die Umfrage bei anderen Pferdebesitzern. Welche Weidepflegemaßnahmen werden ergriffen? Im echten Leben war die häufigste Antwort: Keine. Pferde drauf, fertig. Viele äppeln ab, wenn die Koppeln klein sind, aber das war es auch schon. Mähen, Mulchen, Düngen, Kalken, Abschleppen, Nachsäen..? Braucht man nicht.
Ich muss aber sagen, wenn ich mir den Zustand der Weideflächen anschaue, finde ich das Ergebnis nicht überzeugend. Kahle Flächen, unerwünschte Pflanzen wie Ampfer breiten sich aus, als Futter taugt so eine Weide gar nicht mehr und ökologisch ist es auch nicht.
In Foren oder Facebookgruppen tummeln sich viele engagierte Pferdebesitzer, von denen man auch wirklich interessante Tipps und Erfahrungen bekommen kann. Aber da hört man dann alles von bloss nicht bis auf jeden Fall dieses oder jenes tun....
Wendet man sich nun Experten zu, geht es ähnlich weiter. Landwirte, wie der Bauer, dem unsere Weide gehört, sind doch eindeutig Experten. Oder nicht?
Ich bin total froh, jemanden zu haben, der mähen, abschleppen und düngen kann. Aber soll die Weide überhaupt gedüngt werden? Klar, sagt der Bauer. Und womit? Mit Dünger halt. Ich muss noch mal genauer fragen.
Es gibt auch andere Expertenmeinungen. Wer sich umsieht, stösst schnell auf Ingolf Bender, Jutta Grohe, Dr. Renate Vanselow. Die stehen der modernen Grünlandwirtschaft kritisch gegenüber und schreiben viel faszinierendes über gesundes Bodenleben, Humusbildung usw.
Düngen? Auf keinen Fall Kunstdünger! Einen Kompostkreislauf aufbauen soll ich, gar nicht so einfach mit der neuen Düngemittelverordnung - aber das ist ein anderes Thema. In landwirtschaftlichen Handlungsempfehlungen ist regelmässige Stickstoff-Düngung vorgesehen. Generell empfehlen alle eine Bodenprobe. Da sind sich alle einig. Nur die Schlüsse, die man aus den Ergebnissen dann zieht - ich freue mich schon, mich durch die Tabellen in meinen Büchern zu quälen...
Nachsäen? Man hat auf jeden Fall die Marktlücke entdeckt und bietet viele fruktanarme Gräsermischungen an - da stecken aber immer noch jede Menge ungeeignete Gräser drin, wenn man genau hinsieht. Aber sind die ganzen fruktanarmen Mischungen wirklich sinnvoll oder kauft man für teures Geld Saatgut, das sich dann eh nicht durchsetzen kann, keine gute Grasnarbe bildet, schon im zweiten Jahr nichts mehr taugt?
Und ist Nachsäen überhaupt sinnvoll? Ja sagt die Landwirtschaftskammer, jedes Jahr, am besten deutsches Weidelgras, weil das eine strapazierfähige Grasnarbe gibt. Nein, am besten überhaupt nie nachsäen, sagt Frau Vanselow.
Wenn es um Unkrautvernichtung geht, fange ich gar nicht erst an. Und was ist mit EM, Plocher und was es noch so alles gibt?
Eins weiß ich, man kann sehr viel Geld ausgeben.
Ich werde jetzt erst mal weiter katalogisieren, was da eigentlich wächst. Möglichst schonend mit wechselnden Parzellen beweiden und nachmähen. Im Herbst eine Bodenprobe nehmen. Im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten kompostieren und im Frühjahr den Bauern bitten, auf die regelmässige Düngung mal zu verzichten.
Und dann - mal sehen!

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